Noch zwei Monate

17. Juli 2008

Man spricht die Sprache einigermaßen, Menschen vor Ort sind einem wichtiger geworden und dann ist es bald vorbei.

Nach Wochen voller Arbeit, Feiern, Strandbesuchen, Kultur und Filmerei ein kleiner Lagebericht.

Unser Multimediaprojekt läuft schleppend und wird wohl in der zunächst angedachten Form nicht realisiert werden können – zu groß sind zeitliche aber vor allem auch technische Probleme. Statt einem Film wird es kleine Kurzfilme und statistisches Material geben.
Im Jugendzentrum ist der Sommer ausgebrochen, die Schule ist zu Ende und der Raum stark frequentiert. Die Kommunikation gelingt in ausreichendem Maße und ich habe mich etablieren können, gehe gerne zur Arbeit; meiner Ansicht nach bleiben gewisse Misstände unbeachtet, aber man härtet wohl ab.
Nächsten Sonntag fahre ich mit der Ferienfreizeit der beiden Jugendzentren nach Esposende, in den Norden Portugals. Ich freue mich, wir gehen in den Hochseilgarten, spielen Fußball, haben Strand und Pool, werden Paintball-spielen und die Gegend erkunden. Sicherlich wird es eine Woche mit wenig Schlaf und vielen Problemen, nicht zuletzt weil wir das Zimmer mit den Teilnehmern teilen müssen. Aber es ist eine schöne Sache, so zum Abschied.

Die Zimmer in unserer WG sind getauscht, ich teilen nun mein Zimmer. Dies geht stark zu Lasten der nächtlichen Ruhe, läuft aber generell besser als erwartet. Die frühlingshaften Fluten im Wohnzimmer sind Vergangenheit, das Loch im Dach abgedichtet. In unserem Appartement ist es nun gerne fünf Grad wärmer als im Freien – im Moment recht angenehm, bei 37° macht es dann allerdings den Aufenthalt etwas unangenehm.

Meinen Sprachkurs habe ich gerade so mit gut abgeschlossen, womit ich gänzlich zufrieden bin; ich kann mich ausreichend verständigen und habe Spaß daran auf Portugiesisch zu lesen.

Anfang August geht es noch kurz nach Madrid, so lange es noch in der Nähe ist.

Rückkehr-Pläne sind geschmiedet, Interrail sollte sich ja mit den EU-Klimaschutzzielen vereinbaren lassen, zumal wenn es billiger ist, als fliegen (die EU zahlt ja die Tickets).

Norden und neues von der Arbeit

18. Mai 2008

Für unsere Film-Dokumentation haben wir uns in den hohen Norden Portugals gewagt. Wir haben in Arcos de Valdeves Höhenluft geschnuppert, einen türkischen Freiwilligen mit Visa Problemen (in einem EU-Programm!) in seiner Jugendherberge besucht und seine Arbeit als Betreuer beim Transport von Menschen mit Behinderungen und im Jugendzentrum kennengelernt. Dann ging es weiter nach Porto, zu einer riesige Institution für Menschen mit Behinderungen. Wir haben mit den Gästen gefilmt, mit den Freiwilligen gesprochen, die Stadt und das nordische Wetter kennengelernt. Weiter nach Coimbra, das „Oxford Portugals“, zu einem Dorf für Waisenkinder- und Jugendliche. Wir haben erfahren, wie es ist, in einer Kommune zu sein, immer präsent, ohne wirklichen Feierabend. Dafür aber auch mit Freiheiten und Möglichkeiten, die ein gutes Leben und ein eigenständiges Gestalten der Arbeit erlauben.

In den vergangen zwei Wochen hat unsere Abteilung (Jugendarbeit) eine Ausstellung der künstlerischen und kunsthandwerklichen Arbeiten, die in den vergangen 10 Jahren in den Jugendzentren angefertigt wurden, veranstaltet. Es gab Workshops zum Malen und zum Papier-Schöpfen. Mit knapp verdoppelter Arbeitszeit haben wir so unsere Zeit in einem städtischen Kulturzentrum verbracht, mit Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Behinderungen Workshops durchgeführt, oder auch einfach nur gewartet (bei Regen verlässt hier kaum jemand sein Haus). Die Arbeit war wesentlich anstrengender, aber auch wesentlich interessanter als im Jugendzentrum. Es ist lustig, die selben Dinge mit verschiedenen Menschen in der Altersspanne von 3 bis etwa 80 zu machen, zu sehen, dass sie trotz allem, was sie unterscheidet oft die gleichen Dinge mögen. Der Unterschied zwischen Kindern aus dem Gebiet, wo wir arbeiten, also maßgeblich Migranten, und Portugiesen aus besserem Hause war für mich sehr interessant. Die Jüngeren aus unserem Viertel sind von den Erzieherinnen gedrillt, von Hause aus oft verstört. Die portugiesischen Vorschulkinder gingen mehr aus sich heraus, sprachen besser, schienen selbstbewusster.
Die Stimmung in unserem Arbeitsteam ist leider etwas gedrückt, nicht zuletzt weil wir Freiwilligen von manchen als die unterste Stufe in der Hierarchie angesehen werden und uns deswegen einen respektlosen Umgang gefallen lassen müssen. Hierarchie ist alles. Mein Mentor, der einen guten Umgang mit uns pflegt, teilt zum Beispiel seiner Assistentin selten etwas vorzeitig mit und bindet sie nie in den Entscheidungsprozess mit ein – als er aus Krankheitsgründen zu Hause bleiben musste, konnte mir niemand irgendwelche Informationen oder Erlaubnisse geben, um etwas zu tun. Wenn man sich überlegt, wie viel Eigenverantwortung Ehrenamtliche in Deutschland haben, erscheint es einem absurd, dass dies hier noch nicht einmal auf professioneller Ebene funktioniert.

Unsere Wohngemeinschaft kann man sich zur Zeit wie eine Jugendherberge vorstellen, allein im April hatten wir rund 10 Gäste. Das ständige Kommen und Gehen bringt zum einen viel Abwechslung und nette Abende, hat aber natürlich auch zur Folge, dass man quasi nie Portugiesisch spricht und viel mehr zu tun hat mit Haushalt und Freizeitgestaltung. Dennoch: Es ist ein gutes Gefühl, wenn Menschen kommen, um einen zu besuchen.

Mein Portugiesisch-Kurs ist nach wie vor schwierig, doch dadurch sprechen wir auch über interessantere Themen und lernen wirklich etwas über die Funktionsweise der Sprache. Eine Sprache wirklich erklärt zu bekommen, anstatt sie nur zu „lernen“, scheint mir der große Vorteil eines universitären Kurses zu sein. Auch die Fortschritte können sich sehen lassen, bald habe ich meine Präsentation über die portugiesische Nelkenrevolution; mal sehen ob meine Sprachkenntnisse dafür schon ausreichen. Ich verständige mich nun an Arbeit und mit meinen portugiesische Freunden fast ausschließlich auf Portugiesisch. Wenn auch alles andere als perfekt, kann man über alles (zumindest langsam) reden und muss nicht bei blödem Small Talk bleiben. Auch in meinem Jugendclub, wo sich die Lage nach einer Krisensitzung mit meinem Mentor merklich gebessert hat, verstehe ich auch langsam, was gesprochen wird. Der Slang, „Calão“, hat für fast alles eine Kurzform oder eigene Ausdrücke; aber ich lasse mir nun von Jemanden, der dort seine Sozialstunden ableisten muss, täglich ein Wort beibringen (im Austausch gibt es Deutsch).

Ich verbringe noch immer einen Tag jedes Wochenendes mit Segeln auf dem Tejo, mittlerweile auch in schnelleren Zwei-Mann-Booten (und nach nasser Erfahrung auch mit entsprechender Kleidung – es ist kalt im Tejo). Durch die viele Arbeit und den Sprachkurs gehen wir weniger abends weg, Konzerte (Fado, The Hives, Primitive Reason – letzteres portugiesisch und gewöhnungsbedürftig) oder Geburtstagsfeiern sind natürlich noch immer den Weg nach Lissabon wert.

Leider fehlt mir Dank anstehender Uni-Entscheidung die Zeit mehr und regelmäßiger zu schreiben.

Ein paar Wochen zurück… aus Marokko

23. März 2008

Den ersten Sonntag im Februar sind wir in den Flieger nach Madrid gestiegen, mit unseren riesigen Rucksäcken. Zuvor hatten wir uns mit Unmengen an Anti-Durchfall-Pillen, Insektensprays und -lotionen, Sonnenschutz- und Desinfektionsmitteln eingedeckt. In Afrika könnte ja sonst noch etwas passieren. Also von Madrid ging es dann weiter in den nächsten Flieger nach Marrakesch, unserem Ziel.
Mit dem Verlassen des Flughafens (endlich mal eine Stempel in meinem Reisepass, juchhe…), begeben wir uns in eine Horde düster dreinschauender Gestalten, die uns Taxis (die wir nicht sehen können) nahe legen wollen, sie fordern übertriebene Preise und werden, als wir weitergehen, leicht aggressiv. Natürlich sehen wir wenig später den Taxi-Parkplatz und steigen mit eben einer solchen Gestalt in einen alten Mercedes, vier auf der Rückbank einer vorn, das Gepäck wird mit Schnellspannern im Kofferraum gehalten. Angekommen in der Medina, das alte, mehr oder weniger Auto-freie Innere der Stadtmauern, wird uns von allen Seiten Hilfe bei der Hotelsuche angeboten; wir wissen Dank „Lonely Planet“, dass dies den Preis erhöhen könnte, willigen, da orientierungslos, dennoch ein und lassen uns zu unserem (zuvor ausgesuchten) Hotel führen. Unser Riad ist sauber, ruhig und gemütlich. Die Räume sind um eine Art Innenhof mit vier Orangenbäumen gelegen, alles ist mit hellen schönen Kacheln verkleidet, die Räume sind hoch, die Betten weich, die Duschen warm und der Besitzer spricht anständiges Englisch. Alles perfekt. Also zum nächsten Abenteuer, Essenssuche: wenige Minuten zu Fuß von unserem Hotel findet sich ein riesiger Essensmarkt, von dessen Ständen Rauch- und Dampfschwaden aufsteigen. Die Farben, Geräusche und Düfte schaffen eine unglaubliche Atmosphäre. Man betrachtet das offen aufgestapelte Fleisch, Gemüse, Fisch und Obst, hört afrikanische Straßenmusiker. Mit Betreten des Marktes werden wir umlagert von „Kellnern“, die in Englisch und Deutsch ihr Restaurant anpreisen und mit denen man einige Minuten diskutieren muss, bevor sie einen weiter lassen, nimmt man sich die Zeit nicht, wird man mit Flüchen in allen erdenklichen Sprachen bedacht. Wir finden einen Stand, an den sich kaum ein Tourist verirrt hat, aber umso mehr Marokkaner sitzen und essen. Hier haben wir unser erstes marokkanisches Essen, eine dicke Suppe mit Brot, dazu Oliven, danach der legendäre Pfefferminz-Tee aus frischen Blättern. Da Dank islamischer Gesetzgebung und schlechter Sicherheitslage Barbesuche wenig interessant sind, gehen wir früh zu Bett.

    Marrakesch: Essen

Der nächste Tag bringt uns einen Besuch im Basar (Souk), wo wir uns stundenlang von Stand zu Stand handeln, kaufen und ablehnen, versuchen den Touripreisen zu entgehen. Es gibt Gewürze, Tücher, Schuhe, Schildkröten, Kleidung, Obst, Gemüse, Wasserpfeifen und Tongefäße. Danach geht es weiter zu einem der königlichen Paläste, umsiedelt von Storchennestern bietet der Palast einen Ort zum Ausruhen, es ist still und man hat angenehm viel Platz. Die Terrasse bietet einen Blick über die ganze Stadt, deren Mauern ganz in Ocker-Tönen gehalten sind, man kann sehen, wie organisch Marrakesch gewachsen ist.
Am Abend besiegeln wir unser Schicksal für unsere letzten zwei Tage im Westen des Landes: wir buchen eine, wie uns versichert wird, ganz besondere Tour in die Wüste.
Am nächsten Tag steht jedoch zuerst noch einmal Marrakesch auf dem Programm, wir besuchen den Majorelle Garten, einer grünen Oase mit Vogelgezwitscher, die auch das Museum für islamische Kunst beherbergt – leider völlig überlaufen von Touristen. Später geht es weiter zu einem königlichen Mausoleum und abends in den Hammam. Dieses arabische Badhaus ist mit so ziemlich nichts zu vergleichen, was ich zuvor als Bild einer Badeeinrichtung in meinem Kopf hatte. Man betritt eine Art Keller, in dem sich mit Unterhosen bekleidete Männer mit Wasser aus großen Eimern waschen. Die Seife, die man auf dem Basar erwerben kann ist braun, klebrig und nicht gerade wohlriechend. Das Wasser kommt aus einem großen Becken, welches auf eine hohe Temperatur erhitzt wird, das Klima in den Räumen erinnert an eine Dampfsauna, der Boden ist heiß. Ist man mutig genug eine Massage mit zu bestellen, wird man von einem älteren Herren auf dem Boden liegend mit einem Waschlappen abgeschrubbt, bis man die oberste Hautschicht verliert, danach wird man gestreckt und abgespült. Eine Erfahrung. Ich war sicherlich noch nie so gut durchblutet, aber meine Haut war noch Tage später wund und ich will nicht wissen, was sonst schon mit diesem Waschlappen gemacht wurde.
Also nun in die Wüste. Unsere ganz besondere Tour hat sich von unserem kleinen Grüppchen auf zwölf Personen ausgedehnt, wir haben nun zusätzliche schweizerische, deutsche und koreanische Gesellschaft, alle sehr nett, aber nicht das, wofür wir gezahlt haben.
Also ab in den alten weißen Van, Aufschrift „tourisme“, durch die Straßen von Marrakesch, durch eine Steppen-artige Landschaft und dann hoch zum Atlasgebirge.
Wir sehen einzigartige Berglandschaften, sind beeindruckt, dass Menschen dort leben können, atmen Gebirgsluft und erinnern uns an den Film Babel. Zurück in der Ebene essen wir zu Mittag in Quarzazate, das für seine Filmstudios bekannt und daher wohl auch sehr touristisch ist. Wir haben nur wenig Zeit, können nur einen kurzen Blick auf die ockerfarbene Wüstenstadt werfen. Unser nächster Halt ist Zagora. Von dort geht es weiter mit Dromedaren; eingehüllt in Tücher, um uns vor der nächtlichen Kälte zu schützen steigen wir in den „Sattel“. Mein Dromedar hat Schaum vor dem Mund und erweist sich schon beim Aufsteigen als widerspenstig. Während des Ritts – zunächst auf der Straße, dann auf einer Art Feldweg – schert es immer wieder aus, bäumt sich auf. Tiere werden in Marokko ausgesprochen schlecht behandelt. Unser Ziel ist eine Berber Siedlung, die – ganz besonders – sowohl normale Toiletten als auch elektrisches Licht hat. Normale Dörfer sind in Sichtweite. Wir sitzen mit anderen Touristen in einem großen Zelt und essen zu Abend. Danach gibt es ein Berberfest und eine Übernachtung im Zelt, mit dicken Wolldecken gegen die Kälte. Der Sternenhimmel schafft jedoch wirklich eine besondere Stimmung, man kann Galaxien, die Milchstraße sehen, der Himmel sieht aus, wie eine Kosmos Sternenkarte – für mich als Stadtkind mehr als beeindruckend. Zurück geht es wieder mit dem Dromedar oder zu Fuß, ich habe diesmal mehr Glück, meines ist gesund und bequemer.Dromedar reiten
Fast ohne Pause fahren wir zurück, um am frühen Abend in Marrakesch zu sein. Dort verbringen wir – den Nachtzug verpasst habend – eine weitere Nacht.

Fes ist unser nächstes Ziel. Wir verlassen Marrakesch mit dem Zug um sieben Uhr am Morgen, Vormittag (sechs Stunden) in einem Abteil mit Schlafen, Lesen, Bewundern des Grüns, des Nichts und der Berge, die an uns vorbeiziehen. Die Toilettenspülung ist defekt und dementsprechend sieht es nach stundenlanger Zugfahrt dann auch aus, im Abort. Fes ist, warnt unser Reiseführer, bekannt für seine aufdringlichen falschen Führer. Angekommen finden wir maßgeblich geschlossene Geschäfte vor, scheinbar kein Tag an dem Touristen erwartet werden. Die falschen Führer sind jedoch aktiv, als wir einen Händler nach dem Weg fragen, bekommen wir keine Antwort, werden jedoch von Jugendlichen umlagert, die uns den Weg zeigen wollen (und sich vom Hotel eine Provision erhoffen); wir lassen uns gezwungenermaßen darauf ein und finden uns in einem wunderschönen Riad wieder. Etwas teurer als in Marrakesch, dafür aber auch etwas edler ist unser Schlafraum, schön dekoriert und sauber.
Am folgenden Tag erkunden wir die Stadt, besuchen unter anderem eine Koranschule, in der wir unseren falschen Führer für diesen Tage kennen lernen. Mit Sonnenbrille, Hemd und nach hinten gegeltem Haar führt er uns, in gewöhnungsbedürftigem Englisch, durch Fes. Wir sehen die berühmte Wasseruhr, die Gerbereien, Werkstätten und Gewürzläden, genießen die Aussichten und das gute Wetter. Nachdem wir es geschafft haben, uns von unserem Führer zu trennen, steigen wir in ein Taxi, wie ich (Unwissender) es mir in Indien vorstelle: ein Kleinbus asiatischer Herstellung, dekoriert mit Postkarten, Postern, Tüchern und Pflanzen, exotische Musik, einer von uns muss mit dem Boden im hinteren Teil des Fahrzeug vorlieb nehmen. Wir erreichen den ehemals jüdischen Teil von Fes, der durch seine eigene Bauweise, wesentlich raumgreifender, mit Balkonen und mehr Dekoration ein ganz andere Ausstrahlung hat, als der enge, sehr organisch gewachsene arabische Teil. Wir besichtigen eine Synagoge und sind mehr oder weniger überrascht dort einen muslimischen Führer wiederzufinden, der dem jüdischen Gotteshaus kaum Respekt erweist und dies auch von Anderen nicht erwartet. Die Synagoge ist recht unspektakulär, der Ausblick vom Dach jedoch den Besuch wert.
Fes ist im Vergleich zu Marrakesch sehr hügelig und, da höher gelegen, auch wesentlich windiger und kälter. Die Menschen laufen weniger in traditioneller Kleidung herum, sondern auffällig oft in nachgemachter westlicher Kleidung, so sehen die Bewohner von Fes vielfach so aus, wie man auch ihre Landesmänner in europäischen Städten antrifft.

In Fes teilt sich unsere Gruppe, für mich geht es weiter nach Tangier der Hafenstadt, von der die Fähre nach Spanien abfährt. Nach sechs Stunden Zugfahrt kommen wir in Tangier an, es ist sieben Uhr und dunkel, der Taxi Fahrer bringt uns zum Hafen um uns dann dort zu eröffnen, dass keine Boote mehr fahren und er uns gerne zum Hotel fahren würde. Wir verabschieden uns von ihm und finden auf dem Hafengelände herumirrend noch eine Fährgesellschaft, die um zehn zum spanischen Tarifa fährt, wir entscheiden uns jedoch dagegen, da es um ein Uhr nachts dort sicherlich nicht sonderlich gemütlich ist und die Suche nach Unterkunft sich um diese Uhrzeit auch nicht gerade einfach gestaltet. Also verbringen wir die Nacht in einem Hostel nahe dem Hafen, etwas heruntergekommen aber unschlagbar billig – und da wir ohnehin um fünf aufstehen müssen haben wir keine hohen Ansprüche.
Nach der kurzen Nacht geht es wieder zum Hafen, Tickets kaufen, Dirham überteuert in Euro zurücktauschen (die richtigen Wechselstuben haben natürlich noch nicht geöffnet), lockerer Sicherheitscheck und dann auf die Fähre. Nach Algeciras; Tarifa, der nähere Hafen, wird nicht angefahren, der Seegang ist zu stark. Letzteres merken wir dann auch, als die Fähre sich mit drei Stunden Verspätung in Bewegung setzt; um uns herum sind die Spucktüten in regem Gebrauch.
In Algeciras suchen wir den Busbahnhof und fahren nach Sevilla. Unsere Anfahrt gleicht einer Stadtrundfahrt, leider haben wir zu viel Gepäck und zu wenig Zeit den Ort genauer zu erkunden. Also warten wir auf unseren Nachtbus nach Lissabon, der uns schließlich nach einer Tour durch Südportugal nach Lissabon bringt.
Es ist als wäre man für kurze Zeit in einer anderen Welt gewesen, die Eindrücke sind schwer zu fassen; schön einmal das so andere Leben außerhalb Europas kennen gelernt zu haben. Doch es tut auch gut, wieder das eigene Bett zu haben, nicht über den Preis des Essens verhandeln zu müssen und die Sprache in der Umgebung zumindest einigermaßen zu verstehen.

Für mich geht es noch am selben Tag wieder an die Arbeit, erschöpft von der Reise versuche ich mich im Belustigen der anspruchsvollsten Gäste. Es ist anstrengend immer wieder denselben Jugendlichen gegenüberzustehen, die mit rein destruktiven Interessen den Jugendraum betreten. Ich würde gerne mit ihnen ein normales Gespräch führen, doch das Interesse ist einseitig und meine Sprachkompetenz im Portugiesisch der Straße mehr als begrenzt. Mein Sicherheitsbedürfnis ist nicht vollständig befriedigt; da nicht ausreichend mit den Jugendlichen geredet wird, habe ich das Gefühl, dass wenn ich in Probleme gerate, diese meine Probleme sind und ich mir selber helfen muss. Meine Kollegen fliehen sich in Arbeit, die sie alleine, ohne Jugendliche, tun können; meiner Ansicht nach ist die Situation alles andere als unter Kontrolle.
Doch nun, zur Osterzeit, habe ich Ferienspiele. Rund zehn Kinder kommen täglich, um von 10 bis 17 Uhr unterhalten zu werden. Wir gehen ins Schwimmbad, in den Park, ins Museum, Kino und ins Einkaufszentrum. Nächste Woche folgt Lissabon und Theater. Es ist eine großartige Gelegenheit für die Kinder (ca. 8-13 Jahre alt), einmal aus ihrem Viertel herauszukommen, andere Menschen und Dinge zu sehen. Im Wechselspiel mit der Welt außerhalb des Viertels offenbaren sich auch die Unterschiede; beim Überqueren einer Fußgängerbrücke werden Scherben heruntergeworfen, die Kinder bewerfen sich mit Steinen und im Einkaufszentrum werden unter den kritischen Augen der Sicherheitskräfte Leute angepöbelt; der Umgang ist rau, aber es tut gut zu sehen, dass die Kinder es genießen einmal andere Luft zu atmen. Dennoch bleibt ein komischer Beigeschmack, wenn man mit den Ärmsten Portugals in einen modernen Konsumtempel geht, in dem sie sich wohl kaum etwas leisten können. Hier habe ich auch wieder einmal die Unterschiede in deutscher und portugiesischer Jugendarbeit kennen gelernt; während in Deutschland selbst ehrenamtliche stundenlange Belehrungen über Aufsichtspflicht über sich ergehen lassen müssen, bin ich hier mit der Situation konfrontiert, dass meine beiden Kollegen einfach weggehen und die Kinder alleine lassen, auf dem Spielplatz im Einkaufszentrum; ich könne dasselbe tun, wird mir gesagt, natürlich bleibe ich, da die Sicherheitsleute schon mehrfach verwarnt haben, will ich nicht riskieren, dass die Kinder herausgeschmissen werden oder sich verletzen.

Noch immer bin ich mit meinem Portugiesisch mehr als unzufrieden, daher habe ich mich vor gut drei Wochen für einen Portugiesisch-Kurs an der Uni (das, was die ERASMUS-Studenten machen) angemeldet. Ich bin in einem ziemlich anspruchsvollen Kurs gelandet, fast nur Latinos, die alles mehr oder weniger erfolgreich aus ihrer Muttersprache ableiten können; die anderen Kurse sind zu einfach für mich, hier muss ich wohl ordentlich arbeiten. Der Kurs kostet 200€ und wird nicht vom Centro bezahlt, dennoch haben wir uns alle entschieden einen Kurs an der Uni zu belegen. Leider habe ich durch meine Englandreise (Freunde und Unis besuchen, CouchSurfing erproben, ein Seminar) viele Stunden verpasst, aber Ende des Monats geht es wieder los, gleich mit Präsentationsthemen. Ich bleibe gespannt, ob ich mich dort halten kann.

Verzeiht die lange Sendepause.
Euch allen eine frohe Osterzeit.
Bis bald.
Und guckt euch die Bilder an.

Zurück an der Arbeit

18. Januar 2008

Heute war ich den zweiten Tag seit Anfang Dezember wieder in dem Jugendzentrum, das eigentlich dauerhaft meinen Arbeitsplatz darstellen sollte. Die Probleme im Jugendraum haben sich etwas gelegt, die Störenfriede haben Dank meinem etwas übereifrigen Frisör und meinem dann doch mittlerweile etwas besseren Portugiesisch mehr Respekt vor mir; man kann mit Ihnen reden, auch wenn die Gesprächsthemen vulgär und die Stimmung nach wie vor angespannt sind. Ich bin froh, endlich wieder mit Menschen zu arbeiten. Zum einen ist es in dem anderen Jugendzentrum, in dem ich meinen letzten Monat verbracht habe, furchtbar kalt, zum anderen ist das Arbeiten am Computer nicht das, wozu ich hierher gekommen bin und nicht zuletzt laufen ohne Anwendung auch alle Portugiesisch-Lernbemühungen ins Leere.

Gestern hatten wir unsere Präsentation zur Bewerbung von EVS in einer örtlichen Schule. Alles ist – trotz typisch portugiesischer mittelmäßiger Vorbereitung – ausgezeichnet gelaufen. Das Interesse war überwältigend und wir haben begründete Hoffnung, dass unser Centro ich nächster Zeit auch endlich selbst Freiwillige ins Ausland entsenden wird, anstatt immer nur Aufnahmeorganisation zu sein. So hat es sich nun doch gelohnt, dass ich die vergangene Zeit zum Erstellen von Werbematerial nutzen konnte.

Des Weiteren haben wir angefangen, ernsthaft an unserer EVS Dokumentation zu arbeiten und ein anderes On-Arrival-Seminar besucht, um statistisches Material über EVS in Portugal zu sammeln. Nun kennen wir weitere Freiwillige und werden nächsten Monat aller Wahrscheinlichkeit nach damit beginnen, filmend und fragend durch Portugal zu reisen.

Hinter mir liegen außerdem ein Heiligabend mit Sonnenuntergang am Strand, eine Silvesterfeier in unserer WG bzw. später in Lissabon mit anderen Freiwilligen aus ganz Europa, sowie regnerische Herbsttage und -abende bei Tee und Kerzenlicht; man schafft sich ja dann doch irgendwie seine winterliche Stimmung.

Im Bezirk unseres Zentrums herrscht im Moment der Außnahmezustand. Seit die portugiesische Eingriffspolizei vor rund zwei Wochen mit massivem Aufgebot (angeblich unter Abgabe von Warnschüssen) die meisten dealenden Jugendlichen von der Straße ins Gefängnis befördert hat, ist die Stimmung nachhaltig gestört. Das geschäftige Treiben auf den Straßen ist abschreckenden Polizeipatrouillen gewichen; so schreiten grimmig blickende Eingreiftrupps mit kugelsicheren Westen, Pistolen und Schlagstöcken durch die Straßen, unterstützt von gepanzerten Vans. Wer nicht im Gefängnis ist, ist auf Seitenwege ausgewichen und geht dort seinen Geschäften nach.
Wir genießen nach wie vor unseren Kaffee in der Sonne vor unserem Stamm-Café, sehen aus wie glückliche Touristen und vervollständigen den bizarren Gesamteindruck.
Es ist befremdlich, dass das Zentrum Schwierigkeiten hat, für seine wichtige präventive Arbeit finanzielle Mittel zu erhalten, für den polizeilichen Umgang mit den Folgen ungenügender sozialer Betreuung, jedoch scheinbar genügend Geld vorhanden ist.

„They want to destroy the place.“

14. Dezember 2007

…sagte mein Mentor, als ich letzten Mittwoch fragte, warum wir dieses Jahr nicht mehr in meinem Jugendclub arbeiten würden. Die Vorfälle haben sich in meiner Abwesenheit gehäuft, die Randalierer vermochten es sogar, die Hauptamtlichen und einige Jugendliche über eine Stunde im Jugendraum einzusperren (die defekte Sicherheitsjalousie lässt sich von außen verschließen). Zusätzlich hat die Wohnung über dem Raum einen Wasserrohrbruch erlitten und versorgt den Tischtennisraum mit Feuchtigkeit und lässt dessen Decke herabsinken.
Mein erster Gedanke war, zu versuchen, in einen anderen Bereich des Centros zu wechseln; mittlerweile habe ich jedoch beschlossen, zumindest die ersten Januarwochen weiter dort zu bleiben. Ich denke dieser Jugendclub ist die im Moment interessanteste und anspruchsvollste Stelle im Centro, sicherlich mit einigen Problemen, dafür aber auch mit der Chance etwas verändern, verbessern zu können.

Erlebnisse zum Winteranfang

12. Dezember 2007

Es ist Mitte Dezember, die Sonne scheint und man kann in der selbigen getrost im T-Shirt herumlaufen. Im Schatten ist es frisch, in unserem Apartment regelrecht kalt. Ohne Zentralheizung und mit gekacheltem Boden bleibt einem nur das Tragen von Schuhen und winterlicher Kleidung übrig, gefroren wird trotzdem. Gewöhnungsbedürftig, bisweilen habe ich das Gefühl, dass die Portugiesen in diesen Wintermonaten absichtlich leiden, um den Sommer genießen zu können. Man friert hier in der Tat mehr als in Mittel- und Nordeuropa.

Fast ein Monat ist seit meinem letzten Beitrag vergangen, ich versuche mich an einer nicht allzu ermüdenden Zusammenfassung.

Der Wassersportverein in Almada hat mich ohne die Zahlung von Mitgliedsbeiträgen aufgenommen, so kann ich jeden Samstag segeln gehen. Die Leute sind sehr freundlich und man fühlt sich gleich dazugehörig. Wir haben nun schon an zwei Wochenenden schöne Abende mit Leuten aus dem Segelclub verbracht. Der Club ist alles andere als elitär oder abgehoben, der Verein ist eher arm, alle reden miteinander auf Augenhöhe. Der Tejo ist Dank Strömung und Gezeiten ein recht anspruchsvolles Revier und mit dem Ausblick auf Brücke, Christo Rei und Lissabon auch ein sehr schönes.
Des Weiteren habe ich mit Yoga angefangen. So versuche ich mich jeden Montag- und Mittwochabend in das städtische Sportzentrum zu bewegen, um meine Grenzen zu erfahren und mich zu entspannen; faktisch schaffe ich es nur einmal in der Woche, aber man hat mehrere Tage etwas davon…Die Kurszusammensetzung ist übrigens genau so, wie man sich das landläufig vorstellt.

Der Vandalismus im Jugendclub hat nicht aufgehört. Ich bekomme das Gefühl, dass dies in absehbarer Zeit auch nicht passieren wird. Letzte Woche Montag hat ein Jugendlicher im Beisein der Hauptamtlichen ein volles Regale umgeworfen, Einrichtungsgegenstände weggetreten und teilweise zerstört und ich werde das Gefühl nicht los, dass er sich fast mit meinem Mentor geprügelt hätte. Da ist meines Erachtens von beiden Seiten Einiges falsch gelaufen. Ich hoffe bald mit verbesserter Sprachkenntnis etwas für die Stimmung bzw. gegen die Anspannung im Jugendraum tun zu können.
Im Centro spielen nehmen wir am „secret friend“-Spiel der Belegschaft teil; jeder hat einen Namen gezogen und beschenkt diese Person von Zeit zu Zeit heimlich auf dem Geschenktisch, am Freitag ist die Weihnachtsfeier und es wird aufgelöst, wer wen hatte und das Hauptgeschenk wird übergeben. Ich kenne die Person, die ich habe nicht, bin also gespannt.
Wir haben mit den Multimedia-Aktivitäten begonnen und nutzen für diese die Mittwoche. Bisher haben wir eine Postkarte zum werben für EVS produziert. Ein Werbeclip, eine Broschüre, sowie Dokumentationen über EVS in Portugal und die Arbeit des Centros sollen folgen. Seit letzter Woche haben wir eine Handycam; diese arbeitet leider mit kleinen DVDs und hat einen sehr schwachen Akku, aber wir haben die Dreharbeiten begonnen und zumindest die Bildqualität kann sich sehen lassen.

Letzten Mittwoch waren wir auf dem Internationalen Tag des Freiwilligen in Santarém in der Mitte Portugals. Dort haben wir mit anderen Freiwilligen portugiesischen Jugendlichen etwas zu unseren Erfahrungen mit EVS erzählt (bzw. vorgespielt) und andere Freiwillige aus unserem Gebiet kennengelernt. Danke Nebel wussten wir die Fahrt über die berühmte Vasco Da Gama-Brücke nicht zu würdigen (die größte in Europa), aber es war schön einmal aus dem Großraum Lissabon herauszukommen.

Die letzten sechs Tage waren wir auf dem „On-Arrival-Training“, dem ersten Seminar, das man als EVS-Freiwilliger im Gastland hat. Leider war das Seminar in der Jugendherberge in Almada, also keine große Reise für uns. Inhaltlich gab es wenig Neues, man sprach über die Erfahrungen in den einzelnen Projekten, ein wenig über Geschichte (zu wenig!) und Traditionen. Es gab Ausflüge nach Lissabon und für uns weitaus interessanter: in ländlichere Gebiete, die mit Natur und alten Gemäuern eine angenehme Abwechslung zum doch sehr städtisch grauen Almada darstellen. Wir haben viel Praktisches getan, portugiesische Tänze gelernt, Käse hergestellt, an einer Weinprobe teilgenommen und unzählige Spiele und Szenen gespielt. Nicht zuletzt dadurch haben wir eine wirkliche Gemeinschaft gebildet, fast alles mit der ganzen Gruppe gemacht, sei es Bairro Alto, nächtliche Gruppenspiele oder gemütliches Beisammensein in unserem Appartement (ist übrigens wärmer wenn man zu siebzehnt ist). Es war spannend sich mit Freiwilligen aus anderen Ländern auszutauschen, eben nicht nur über die Arbeit sondern über alles Mögliche; freie Zeit dafür hatten wir genug. Wir haben (hoffentlich bleibende) Kontakte geknüpft und uns allen versprochen uns gegenseitig zu besuchen. Da wir besagte Dokumentation machen, bekommen wir die Reisekosten erstattet und werden wirklich durch Portugal reisen!
In einer Stunde geht es für mich zurück in den normalen Arbeitsalltag.

Ich mache mal einen Punkt.
Neue Bilder folgen in Kürze.

Der neuste Stand und die Freizeit

16. November 2007

Letztere habe ich aufgrund einiger Änderungen, auf die ich im Folgenden nur kurz eingehen will, zu Genüge. Nachdem ein paar Jugendliche sich an der Umgestaltung des Jugendclubs versucht (andere nennen es Vandalismus) und uns dort-Arbeitende beschimpft haben (ich verstehe ja glücklicherweise nur wenig) wurde das Jugendzentrum „zum Schutz unserer Sicherheit“ für denselben Nachmittag geschlossen. Ich habe mich zwar nicht ernsthaft bedroht gefühlt von den minderjährigen Bälgern, aber einer ist wohl bereits polizeilich aufgefallen und die Entscheidungen liegen ohnehin außerhalb meiner Reichweite. Die Folge ist jedenfalls, dass meine Kollegin und ich nicht mehr ohne die Anwesenheit meines Mentors den Raum öffnen dürfen. Weil dieser jedoch wegen bürokratischer Arbeit viel außerhalb des Jugendclubs zu tun hat, bedeutet dies faktisch eine Arbeitszeitkürzung. Da ich neuerdings ohnehin erst um ein Uhr zum Mittagessen komme und dann um zwei meine Arbeit beginne, beläuft sich meine momentane Wochenarbeitszeit auf weniger als 20 Stunden.

Nun aber zur Freizeitgestaltung.
Bisher waren wir im Schnitt fast jeden zweiten Tag am Strand; da es mittlerweile etwas frischer wird und ich unter der Woche nur morgens gehen kann, sind meine Besuche etwas seltener geworden. Der Strand ist sehr schön, relativ breit und nicht allzu voll; die Portugiesen gehen nach den Sommerferien kaum noch an den Strand. Morgens sind dort einige, sich ertüchtigende, Senioren anzutreffen, mittags Familien und Touristen, am späten Nachmittag Erasmus-Studenten und am Abend Pärchen.
Des Weiteren gehen wir ab und an nachmittags nach Lissabon, um einzukaufen oder die Stadt anzusehen. Dort sind wir auch fast jedes Wochenende in Restaurants, Bars oder Clubs. Die Restaurants in den touristischen Gebieten sind auf deutschem Preisniveau, wenn man den Inhalt des Brotkorbes isst, kommt man für ein Essen und Getränk auf knapp 10€ pro Person; geht man jedoch etwas abseits der Touristenströme, kann man einige Euro sparen. An Speisen bietet die portugiesische Küche nur Fleisch und Fisch, wer ernsthaft vegetarisch essen will, muss sich mit Salat oder Suppen begnügen. Auffällig ist, dass in allen Restaurants die Getränke sehr billig sind. So zahlt man für ein Wasser fast immer weniger als einen Euro, für ein Bier nur wenig mehr. In den Bars in Bairro Alto kosten die Getränke meist das Doppelte. Diese können jedoch teilweise mit eigenem DJ und kleiner Tanzfläche aufwarten und sind meist ansprechend gestaltet. Im Gegensatz zu meinen Mitbewohnern war ich bisher in nur einem Club, dem „Dock´s“. Als männliches Wesen muss ich ihnen zum Eintreten 12€ überlassen, bekomme dafür jedoch den Gegenwert in Getränkegutscheinen ausgehändigt. Dies ist bei den Getränkepreisen allerdings nur ein schwacher Trost. Weibliche Gäste erhalten Gutscheine ohne Eintritt zu zahlen. Der Club ist, wie auch viele andere, am Tejo-Ufer gelegen und wirkt von außen wie ein Lagerhaus. Im Inneren findet sich ein modern, fast ein wenig steril, gestalteter Raum mit Empore und mehreren Theken. Das Klientel sieht ein wenig nach langer Vorbereitungszeit vor dem Spiegel aus, ist aber nicht unangenehm abgehoben. Wenn man um 12 Uhr eintritt, haben DJ und VJ ihre Arbeit noch nicht begonnen, es läuft langsame Musik, die Tanzfläche ist leer. Dies ändert sich erst gegen halb zwei, wenn sich der Club langsam füllt. Die Musik ist mir zu weiten Teilen unbekannt, der DJ lässt aber auch bekannte Stücke in sein Set einfließen. Dies ist für mich die positive Überraschung, keine Radio-Hits, die nacheinander abgespielt werden, sondern ein DJ, der vor Ort Musik macht, tanzbar und abwechslungsreich. Allerdings ist es sehr gewöhnungsbedürftig, dass die „Party“ erst um etwa zwei Uhr beginnt; als wir um fünf den Club verlassen, um die erste Fähre zu erreichen, ist draußen noch immer eine Schlange neuer Besucher.
Des Weiteren gibt es in Lissabon zahlreiche große und gute Konzerte. So waren wir diesen Montag bei Seu Jorge im „Kolosseum“, einem riesigen Konzertgebäude, dass ein wenig den Charme von Shakespeare Theatern versprüht. Das Konzert war großartig, wir waren nur eine Stunde vor Beginn dort und konnten uns in den ersten Reihen positionieren, die Show dauerte vier Stunden. Die 20 (!) Brasilianer auf der Bühne verstanden es einen wirklich freudigen Abend zu gestalten, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und natürlich gute Musik zu spielen. Wie ich gesehen habe, kommen noch unzählige andere gute und bekannte Künstler nach Lissabon;, das Kolloseum hat mich noch nicht zum letzten Mal gesehen.
Wenn wir nicht weggehen leihen wir uns meistens DVDs aus der benachbarten Videothek oder der Bücherei aus. Des Weiteren brauchen wir zu Fuß keine fünf Minuten zum städtischen Theater, wo das ganze Jahr über verschiedene internationale Gastspiele laufen. Wir haben das Prager Staatsballett gesehen, obwohl ich zu Beginn etwas skeptisch war, war es wirklich eine ausgezeichnete Vorstellung, sehr modern und beeindruckend.
Außer Almada, Lissabon und Costa de Capararica, dem Ort bei unserem Strand, habe ich bisher nur Cascais gesehen. Cascais liegt auf der Seite von Lissabon an der Atlantikküste. Der Ort wirkt sehr wohlhabend, es gibt Yachcharter, teure Hotels und amerikanische Touristen. Trotz des Tourismus, oder wegen der Nebensaison, ist die alte Innenstadt sehr einladend und gemütlich, es gibt viele Geschäfte und Restaurants. Vor den großen Hotels sind kleine, wie ich vermute künstliche, Strände. Irgendwo muss auch noch ein wirklich schöner Strand sein, diesen habe ich aber leider noch nicht entdeckt. Von unserem Haus benötigt man mit Bus, Fähre und Bahn etwa zwei Stunden bis Cascais, es ist also nicht außer Reichweite, braucht aber dennoch etwas Zeit (die man sich durch frühes Aufstehen erringen muss).
Da es in Almada unzählige Sportclubs gibt, werde ich versuchen dort etwas für die anstehenden Nachmittage und Wintertage zu finden; ich werde mir Segeln, Rugby und Yoga ansehen und mich dann entscheiden.

Und natürlich: neue Bilder, unter anderem von der Sankt Martins-“Feier“ in meinem Jugendclub und von o.g. Konzert.

Neue Bilder und ein Impressum

7. November 2007

Aus rechtlichen Gründen habe ich mich dafür entschieden, ein Impressum anzufertigen; außerdem gibt es seit kurzem ein paar neue Bilder.

Das Projekt

5. November 2007

Warum erst jetzt? Die letzte Woche war die erste, die ich vollständig gearbeitet habe; zuvor hatte ich oft frei, weil der Jugendraum geschlossen war oder man uns nahe gelegt hat doch lieber das Wetter am Strand zu genießen, außerdem habe ich mir zwei Tage frei genommen, um an einem Seminar in Berlin teilzunehmen.
Am Ende der ersten Woche sollten wir entscheiden, welche Projektstelle wir ausfüllen wollen. Die Damen haben sich für den Kindergarten entschieden (einmal Vier- und einmal Fünfjährige), Michael und ich arbeiten in den beiden Jugendclubs. Meine Arbeitszeiten sind normalerweise von 11:00 – 16:00 Uhr, inklusive einer Stunde Mittagspause, beginnend um 13:00 Uhr. Bei Bedarf kann ich die Zeiten jedoch verschieben. Meine Mitfreiwilligen haben andere Arbeitszeiten.
Das Centro verteilt sich auf mehrere Eingänge eins Häuserblocks und beherbergt neben mehreren Kindergartenräumen auch das Büro, einen Raum für den mittlerweile unbenutzten Hort und die Küche bzw. Cafetaria, wo wir zu Mittag essen.
Die Gegend um das Zentrum ist lebhaft gefüllt mit den Mitarbeitern des Selbigen, die in der Pause, wie wir, ihren Kaffee im angrenzenden Café genießen oder mit den Kindern vor der Tür spielen. Des Weiteren finden sich dort Gestalten, die auf wundersame Weise bei nahender Polizei verschwinden. Normalerweise herrscht jedoch geschäftiges Treiben, manchmal fliegt nach dem ein oder anderen Käufer ein Stein, um ihm Respekt zu lehren. Bedroht muss man sich jedoch nicht fühlen, man grüßt sich sogar bisweilen.
Der größere Jugendraum befindet sich etwas niedriger gelegen eine Fußminute vom Centro entfernt. Dort können die Besucher ins Internet gehen, einen Judo-Raum benutzen, Tischtennis, Kicker, sowie Brett- und Kartenspiele spielen. Die Räume sind etwas älter und verbreiten durch Fassade aus wenig Glas und viel grau-gestrichenem Blech den gleichen Charme wie die benachbarte Kfz-Werkstatt.
Mein Jugendclub liegt etwa sieben Minuten Fußweg bergauf (der Ort heißt nicht umsonst Monte de Caparica) in einem neuen Wohngebiet mit vielstöckigen Häuserblocks. In einem der solchen ist auch der Jugendraum, verborgen hinter heruntergelassenen Sicherheitsrolläden. Hat man diese überwunden, findet man einen in Weiß und Pastelltönen gestrichenen Raum vor, es ist angenehm kühl, die Atmosphäre ist frisch und einladend. Neben einem Raum mit einem Tischtennis-Tisch und anderen Tischen für Künstlerisches und Hausaufgaben gibt es das Büro, in dem mein Mentor arbeitet, jedoch an einem weiteren Tisch auch UNO und anderes gespielt werden kann. Mangels sprachlicher Ausdrucksfähigkeit beschränkt sich meine Tätigkeit im Moment auch maßgeblich auf UNO, Tischtennis und Würfelspiele. Bisweilen helfe ich beim Umräumen oder Streichen, probiere neue Malmethoden aus. In ca. einem Monat ist jedoch angedacht, dass ich eigene Aktivitäten beginne.
Die Besucher des Jugendclub sind zahlreich, vormittags zwar meistens nur drei bis vier, nachmittags ist aber durchaus das vierfache möglich. Die Alterspanne reicht schätzungsweise von drei bis 30. Da viele früh Eltern werden, sind Kleinkinder keine Seltenheit. Das Gros der Gäste lässt sich jedoch in zwei Gruppen fassen, die ca. 12 Jährigen, die meist nach der Schule kommen, um Tischtennis oder UNO zu spielen und die ca. 20 Jährigen, die sowohl die Vor- als auch die Nachmittage für anspruchsvolle Tischtennis-Spiele nutzen. Die Meisten der letzten Gruppe kommen unter Alkohol- und/ oder Drogeneinfluss in den Jugendraum, was jedoch nicht heißt, dass sie unfreundlich oder gar aggressiv wären, sie spielen noch nicht einmal schlecht. Ich habe mich daran gewöhnt ihren Zustand als normal anzusehen und man kann wirklich eine gute Zeit mit ihnen verbringen. Dass sie ihr Geld nicht unbedingt auf lautere Weise verdienen, ist kein Geheimnis; dass alle sehr offen und freundlich zu mir sind, zeigt jedoch, wie wichtig dieser Raum als Rückzugsort in dieser Gegend ist. Neben diesen beiden Gruppen gibt es noch einzelne Stammgäste – im Gegensatz zu o.g. auch weibliche - , die zum Reden, Hausaufgaben-Machen oder auch Häkeln vorbeikommen. Die meisten Gäste haben arme Fischer oder Immigranten aus Angola, Mosambik oder Kap Verde als Eltern. Auch wenn die älteren Portugiesen mit den älteren Immigranten wohl wenig zu tun haben, konnte ich zumindest bis jetzt angenehmerweise noch keine Konflikte unter den Besucher feststellen. Neben meinem Mentor, der maßgeblich mit der Bürokratie beschäftigt ist, arbeitet noch eine weitere Hauptamtliche in meinem Jugendclub. Mit ihr verbringe ich die meisten – leeren – Vormittage lesend, Tischtennis- oder Schach-spielend.
Generell lässt sich feststellen, dass alle Mitarbeiter des Centro ausgesprochen freundlich, zuvorkommend und lebhaft sind. Dies gilt ebenso für nahezu alle anderen Portugiesen, die wir bisher kennen lernen konnten.
Manchmal gehe ich vor der Arbeit an den Strand; wenn ich unser Haus um kurz vor neun verlasse, bleibt mir dort immerhin noch eine gute Stunde. Nach der Arbeit gehe ich meistens zum Einkaufen in den Supermarkt oder in das Einkaufszentrum. Daheim bin ich in der Regel um kurz vor fünf.

In Kürze folgt noch eine Ausführung zu unserer Freizeitgestaltung, sowie natürlich weitere Bilder.

Bilder

31. Oktober 2007

Da ich nun Internet und mein USB-Kabel habe gibt es auch endlich Bilder. Die drei Neusten finden sich zur Rechten in der Sidebar.

Bald werde ich etwas zum Leben und Arbeiten schreiben.