Das Projekt

Warum erst jetzt? Die letzte Woche war die erste, die ich vollständig gearbeitet habe; zuvor hatte ich oft frei, weil der Jugendraum geschlossen war oder man uns nahe gelegt hat doch lieber das Wetter am Strand zu genießen, außerdem habe ich mir zwei Tage frei genommen, um an einem Seminar in Berlin teilzunehmen.
Am Ende der ersten Woche sollten wir entscheiden, welche Projektstelle wir ausfüllen wollen. Die Damen haben sich für den Kindergarten entschieden (einmal Vier- und einmal Fünfjährige), Michael und ich arbeiten in den beiden Jugendclubs. Meine Arbeitszeiten sind normalerweise von 11:00 – 16:00 Uhr, inklusive einer Stunde Mittagspause, beginnend um 13:00 Uhr. Bei Bedarf kann ich die Zeiten jedoch verschieben. Meine Mitfreiwilligen haben andere Arbeitszeiten.
Das Centro verteilt sich auf mehrere Eingänge eins Häuserblocks und beherbergt neben mehreren Kindergartenräumen auch das Büro, einen Raum für den mittlerweile unbenutzten Hort und die Küche bzw. Cafetaria, wo wir zu Mittag essen.
Die Gegend um das Zentrum ist lebhaft gefüllt mit den Mitarbeitern des Selbigen, die in der Pause, wie wir, ihren Kaffee im angrenzenden Café genießen oder mit den Kindern vor der Tür spielen. Des Weiteren finden sich dort Gestalten, die auf wundersame Weise bei nahender Polizei verschwinden. Normalerweise herrscht jedoch geschäftiges Treiben, manchmal fliegt nach dem ein oder anderen Käufer ein Stein, um ihm Respekt zu lehren. Bedroht muss man sich jedoch nicht fühlen, man grüßt sich sogar bisweilen.
Der größere Jugendraum befindet sich etwas niedriger gelegen eine Fußminute vom Centro entfernt. Dort können die Besucher ins Internet gehen, einen Judo-Raum benutzen, Tischtennis, Kicker, sowie Brett- und Kartenspiele spielen. Die Räume sind etwas älter und verbreiten durch Fassade aus wenig Glas und viel grau-gestrichenem Blech den gleichen Charme wie die benachbarte Kfz-Werkstatt.
Mein Jugendclub liegt etwa sieben Minuten Fußweg bergauf (der Ort heißt nicht umsonst Monte de Caparica) in einem neuen Wohngebiet mit vielstöckigen Häuserblocks. In einem der solchen ist auch der Jugendraum, verborgen hinter heruntergelassenen Sicherheitsrolläden. Hat man diese überwunden, findet man einen in Weiß und Pastelltönen gestrichenen Raum vor, es ist angenehm kühl, die Atmosphäre ist frisch und einladend. Neben einem Raum mit einem Tischtennis-Tisch und anderen Tischen für Künstlerisches und Hausaufgaben gibt es das Büro, in dem mein Mentor arbeitet, jedoch an einem weiteren Tisch auch UNO und anderes gespielt werden kann. Mangels sprachlicher Ausdrucksfähigkeit beschränkt sich meine Tätigkeit im Moment auch maßgeblich auf UNO, Tischtennis und Würfelspiele. Bisweilen helfe ich beim Umräumen oder Streichen, probiere neue Malmethoden aus. In ca. einem Monat ist jedoch angedacht, dass ich eigene Aktivitäten beginne.
Die Besucher des Jugendclub sind zahlreich, vormittags zwar meistens nur drei bis vier, nachmittags ist aber durchaus das vierfache möglich. Die Alterspanne reicht schätzungsweise von drei bis 30. Da viele früh Eltern werden, sind Kleinkinder keine Seltenheit. Das Gros der Gäste lässt sich jedoch in zwei Gruppen fassen, die ca. 12 Jährigen, die meist nach der Schule kommen, um Tischtennis oder UNO zu spielen und die ca. 20 Jährigen, die sowohl die Vor- als auch die Nachmittage für anspruchsvolle Tischtennis-Spiele nutzen. Die Meisten der letzten Gruppe kommen unter Alkohol- und/ oder Drogeneinfluss in den Jugendraum, was jedoch nicht heißt, dass sie unfreundlich oder gar aggressiv wären, sie spielen noch nicht einmal schlecht. Ich habe mich daran gewöhnt ihren Zustand als normal anzusehen und man kann wirklich eine gute Zeit mit ihnen verbringen. Dass sie ihr Geld nicht unbedingt auf lautere Weise verdienen, ist kein Geheimnis; dass alle sehr offen und freundlich zu mir sind, zeigt jedoch, wie wichtig dieser Raum als Rückzugsort in dieser Gegend ist. Neben diesen beiden Gruppen gibt es noch einzelne Stammgäste – im Gegensatz zu o.g. auch weibliche - , die zum Reden, Hausaufgaben-Machen oder auch Häkeln vorbeikommen. Die meisten Gäste haben arme Fischer oder Immigranten aus Angola, Mosambik oder Kap Verde als Eltern. Auch wenn die älteren Portugiesen mit den älteren Immigranten wohl wenig zu tun haben, konnte ich zumindest bis jetzt angenehmerweise noch keine Konflikte unter den Besucher feststellen. Neben meinem Mentor, der maßgeblich mit der Bürokratie beschäftigt ist, arbeitet noch eine weitere Hauptamtliche in meinem Jugendclub. Mit ihr verbringe ich die meisten – leeren – Vormittage lesend, Tischtennis- oder Schach-spielend.
Generell lässt sich feststellen, dass alle Mitarbeiter des Centro ausgesprochen freundlich, zuvorkommend und lebhaft sind. Dies gilt ebenso für nahezu alle anderen Portugiesen, die wir bisher kennen lernen konnten.
Manchmal gehe ich vor der Arbeit an den Strand; wenn ich unser Haus um kurz vor neun verlasse, bleibt mir dort immerhin noch eine gute Stunde. Nach der Arbeit gehe ich meistens zum Einkaufen in den Supermarkt oder in das Einkaufszentrum. Daheim bin ich in der Regel um kurz vor fünf.

In Kürze folgt noch eine Ausführung zu unserer Freizeitgestaltung, sowie natürlich weitere Bilder.

2 Reaktionen zu “Das Projekt”

  1. Daniel

    Das hört sich doch bisher alles sehr entspannt an.

    Danke für die langen Texte, weiter so. Wir telefonieren dann noch mal die nächsten Tage.

  2. Julia

    hey Arno,
    deine karte ist endlich angekommen!!! Hab mich trotz verspätung sehr gefreut :) Bin voll im powi-referat-stress. Aber es entwickelt sich langsam zu einer hoffentlich genauso guten sache wie beim letzten mal :)…
    Hoffe dir gehts gut, für mich heißt es gleich mal wieder extra tip einlegen :(
    Hab immer noch nich geschafft vernünftige fotos vom keller zu machen. Es gibt zwar schon einige von meinem geburstag und so, die sind aber alle viel zu dunkel und verwackelt (hehe)…
    uff, ich hab kopfschmerzen… naja, is wohl besser wenn ich jetzt nich noch länger vorm pc hänge.
    Bis dann, hdl

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