Der neuste Stand und die Freizeit
Letztere habe ich aufgrund einiger Änderungen, auf die ich im Folgenden nur kurz eingehen will, zu Genüge. Nachdem ein paar Jugendliche sich an der Umgestaltung des Jugendclubs versucht (andere nennen es Vandalismus) und uns dort-Arbeitende beschimpft haben (ich verstehe ja glücklicherweise nur wenig) wurde das Jugendzentrum „zum Schutz unserer Sicherheit“ für denselben Nachmittag geschlossen. Ich habe mich zwar nicht ernsthaft bedroht gefühlt von den minderjährigen Bälgern, aber einer ist wohl bereits polizeilich aufgefallen und die Entscheidungen liegen ohnehin außerhalb meiner Reichweite. Die Folge ist jedenfalls, dass meine Kollegin und ich nicht mehr ohne die Anwesenheit meines Mentors den Raum öffnen dürfen. Weil dieser jedoch wegen bürokratischer Arbeit viel außerhalb des Jugendclubs zu tun hat, bedeutet dies faktisch eine Arbeitszeitkürzung. Da ich neuerdings ohnehin erst um ein Uhr zum Mittagessen komme und dann um zwei meine Arbeit beginne, beläuft sich meine momentane Wochenarbeitszeit auf weniger als 20 Stunden.
Nun aber zur Freizeitgestaltung.
Bisher waren wir im Schnitt fast jeden zweiten Tag am Strand; da es mittlerweile etwas frischer wird und ich unter der Woche nur morgens gehen kann, sind meine Besuche etwas seltener geworden. Der Strand ist sehr schön, relativ breit und nicht allzu voll; die Portugiesen gehen nach den Sommerferien kaum noch an den Strand. Morgens sind dort einige, sich ertüchtigende, Senioren anzutreffen, mittags Familien und Touristen, am späten Nachmittag Erasmus-Studenten und am Abend Pärchen.
Des Weiteren gehen wir ab und an nachmittags nach Lissabon, um einzukaufen oder die Stadt anzusehen. Dort sind wir auch fast jedes Wochenende in Restaurants, Bars oder Clubs. Die Restaurants in den touristischen Gebieten sind auf deutschem Preisniveau, wenn man den Inhalt des Brotkorbes isst, kommt man für ein Essen und Getränk auf knapp 10€ pro Person; geht man jedoch etwas abseits der Touristenströme, kann man einige Euro sparen. An Speisen bietet die portugiesische Küche nur Fleisch und Fisch, wer ernsthaft vegetarisch essen will, muss sich mit Salat oder Suppen begnügen. Auffällig ist, dass in allen Restaurants die Getränke sehr billig sind. So zahlt man für ein Wasser fast immer weniger als einen Euro, für ein Bier nur wenig mehr. In den Bars in Bairro Alto kosten die Getränke meist das Doppelte. Diese können jedoch teilweise mit eigenem DJ und kleiner Tanzfläche aufwarten und sind meist ansprechend gestaltet. Im Gegensatz zu meinen Mitbewohnern war ich bisher in nur einem Club, dem „Dock´s“. Als männliches Wesen muss ich ihnen zum Eintreten 12€ überlassen, bekomme dafür jedoch den Gegenwert in Getränkegutscheinen ausgehändigt. Dies ist bei den Getränkepreisen allerdings nur ein schwacher Trost. Weibliche Gäste erhalten Gutscheine ohne Eintritt zu zahlen. Der Club ist, wie auch viele andere, am Tejo-Ufer gelegen und wirkt von außen wie ein Lagerhaus. Im Inneren findet sich ein modern, fast ein wenig steril, gestalteter Raum mit Empore und mehreren Theken. Das Klientel sieht ein wenig nach langer Vorbereitungszeit vor dem Spiegel aus, ist aber nicht unangenehm abgehoben. Wenn man um 12 Uhr eintritt, haben DJ und VJ ihre Arbeit noch nicht begonnen, es läuft langsame Musik, die Tanzfläche ist leer. Dies ändert sich erst gegen halb zwei, wenn sich der Club langsam füllt. Die Musik ist mir zu weiten Teilen unbekannt, der DJ lässt aber auch bekannte Stücke in sein Set einfließen. Dies ist für mich die positive Überraschung, keine Radio-Hits, die nacheinander abgespielt werden, sondern ein DJ, der vor Ort Musik macht, tanzbar und abwechslungsreich. Allerdings ist es sehr gewöhnungsbedürftig, dass die „Party“ erst um etwa zwei Uhr beginnt; als wir um fünf den Club verlassen, um die erste Fähre zu erreichen, ist draußen noch immer eine Schlange neuer Besucher.
Des Weiteren gibt es in Lissabon zahlreiche große und gute Konzerte. So waren wir diesen Montag bei Seu Jorge im „Kolosseum“, einem riesigen Konzertgebäude, dass ein wenig den Charme von Shakespeare Theatern versprüht. Das Konzert war großartig, wir waren nur eine Stunde vor Beginn dort und konnten uns in den ersten Reihen positionieren, die Show dauerte vier Stunden. Die 20 (!) Brasilianer auf der Bühne verstanden es einen wirklich freudigen Abend zu gestalten, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und natürlich gute Musik zu spielen. Wie ich gesehen habe, kommen noch unzählige andere gute und bekannte Künstler nach Lissabon;, das Kolloseum hat mich noch nicht zum letzten Mal gesehen.
Wenn wir nicht weggehen leihen wir uns meistens DVDs aus der benachbarten Videothek oder der Bücherei aus. Des Weiteren brauchen wir zu Fuß keine fünf Minuten zum städtischen Theater, wo das ganze Jahr über verschiedene internationale Gastspiele laufen. Wir haben das Prager Staatsballett gesehen, obwohl ich zu Beginn etwas skeptisch war, war es wirklich eine ausgezeichnete Vorstellung, sehr modern und beeindruckend.
Außer Almada, Lissabon und Costa de Capararica, dem Ort bei unserem Strand, habe ich bisher nur Cascais gesehen. Cascais liegt auf der Seite von Lissabon an der Atlantikküste. Der Ort wirkt sehr wohlhabend, es gibt Yachcharter, teure Hotels und amerikanische Touristen. Trotz des Tourismus, oder wegen der Nebensaison, ist die alte Innenstadt sehr einladend und gemütlich, es gibt viele Geschäfte und Restaurants. Vor den großen Hotels sind kleine, wie ich vermute künstliche, Strände. Irgendwo muss auch noch ein wirklich schöner Strand sein, diesen habe ich aber leider noch nicht entdeckt. Von unserem Haus benötigt man mit Bus, Fähre und Bahn etwa zwei Stunden bis Cascais, es ist also nicht außer Reichweite, braucht aber dennoch etwas Zeit (die man sich durch frühes Aufstehen erringen muss).
Da es in Almada unzählige Sportclubs gibt, werde ich versuchen dort etwas für die anstehenden Nachmittage und Wintertage zu finden; ich werde mir Segeln, Rugby und Yoga ansehen und mich dann entscheiden.
Und natürlich: neue Bilder, unter anderem von der Sankt Martins-“Feier“ in meinem Jugendclub und von o.g. Konzert.
Am 17. November 2007 um 13:14 Uhr
na, das hört sich doch alles sehr gut an
Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass ich ein wenig eifersüchtig werde, wenn du vom strand erzählst und dass es “mittlerweile etwas frischer ist”…. Bei uns ist es ARSCHKALT und es SCHNEIT die ganze zeit :(!!!
Ich bin natürlich auch gleich erst mal krank geworden bei dem scheiß wetter…
Nächste woche ist endlich (oder auch nicht endlich) unser powi-referat. Ich werde dir natürlich berichten wie wir dieses mal ganz ohne deine hilfe zu recht gekommen sind
Merkst du denn schon eine entwicklung bei der sprache? also, verstehst du schon mehr? Naja, spätestens in drei monaten kannst du dich bestimmt problemlos verständigen (ich glaub das ist so allgemein die zeit die man braucht um ne sprache ansatzweise zu lernen ;))
Naja, ich werd mich dann mal wieder an powi machen, wir müssen ja nicht nur ein perfektes referat halten, sondern auch das kolloquium überleben ( udn das is bisher jedes mal voll hart gewesen *hiiilfe*)
Bis dann, hdl