Erlebnisse zum Winteranfang

Es ist Mitte Dezember, die Sonne scheint und man kann in der selbigen getrost im T-Shirt herumlaufen. Im Schatten ist es frisch, in unserem Apartment regelrecht kalt. Ohne Zentralheizung und mit gekacheltem Boden bleibt einem nur das Tragen von Schuhen und winterlicher Kleidung übrig, gefroren wird trotzdem. Gewöhnungsbedürftig, bisweilen habe ich das Gefühl, dass die Portugiesen in diesen Wintermonaten absichtlich leiden, um den Sommer genießen zu können. Man friert hier in der Tat mehr als in Mittel- und Nordeuropa.

Fast ein Monat ist seit meinem letzten Beitrag vergangen, ich versuche mich an einer nicht allzu ermüdenden Zusammenfassung.

Der Wassersportverein in Almada hat mich ohne die Zahlung von Mitgliedsbeiträgen aufgenommen, so kann ich jeden Samstag segeln gehen. Die Leute sind sehr freundlich und man fühlt sich gleich dazugehörig. Wir haben nun schon an zwei Wochenenden schöne Abende mit Leuten aus dem Segelclub verbracht. Der Club ist alles andere als elitär oder abgehoben, der Verein ist eher arm, alle reden miteinander auf Augenhöhe. Der Tejo ist Dank Strömung und Gezeiten ein recht anspruchsvolles Revier und mit dem Ausblick auf Brücke, Christo Rei und Lissabon auch ein sehr schönes.
Des Weiteren habe ich mit Yoga angefangen. So versuche ich mich jeden Montag- und Mittwochabend in das städtische Sportzentrum zu bewegen, um meine Grenzen zu erfahren und mich zu entspannen; faktisch schaffe ich es nur einmal in der Woche, aber man hat mehrere Tage etwas davon…Die Kurszusammensetzung ist übrigens genau so, wie man sich das landläufig vorstellt.

Der Vandalismus im Jugendclub hat nicht aufgehört. Ich bekomme das Gefühl, dass dies in absehbarer Zeit auch nicht passieren wird. Letzte Woche Montag hat ein Jugendlicher im Beisein der Hauptamtlichen ein volles Regale umgeworfen, Einrichtungsgegenstände weggetreten und teilweise zerstört und ich werde das Gefühl nicht los, dass er sich fast mit meinem Mentor geprügelt hätte. Da ist meines Erachtens von beiden Seiten Einiges falsch gelaufen. Ich hoffe bald mit verbesserter Sprachkenntnis etwas für die Stimmung bzw. gegen die Anspannung im Jugendraum tun zu können.
Im Centro spielen nehmen wir am „secret friend“-Spiel der Belegschaft teil; jeder hat einen Namen gezogen und beschenkt diese Person von Zeit zu Zeit heimlich auf dem Geschenktisch, am Freitag ist die Weihnachtsfeier und es wird aufgelöst, wer wen hatte und das Hauptgeschenk wird übergeben. Ich kenne die Person, die ich habe nicht, bin also gespannt.
Wir haben mit den Multimedia-Aktivitäten begonnen und nutzen für diese die Mittwoche. Bisher haben wir eine Postkarte zum werben für EVS produziert. Ein Werbeclip, eine Broschüre, sowie Dokumentationen über EVS in Portugal und die Arbeit des Centros sollen folgen. Seit letzter Woche haben wir eine Handycam; diese arbeitet leider mit kleinen DVDs und hat einen sehr schwachen Akku, aber wir haben die Dreharbeiten begonnen und zumindest die Bildqualität kann sich sehen lassen.

Letzten Mittwoch waren wir auf dem Internationalen Tag des Freiwilligen in Santarém in der Mitte Portugals. Dort haben wir mit anderen Freiwilligen portugiesischen Jugendlichen etwas zu unseren Erfahrungen mit EVS erzählt (bzw. vorgespielt) und andere Freiwillige aus unserem Gebiet kennengelernt. Danke Nebel wussten wir die Fahrt über die berühmte Vasco Da Gama-Brücke nicht zu würdigen (die größte in Europa), aber es war schön einmal aus dem Großraum Lissabon herauszukommen.

Die letzten sechs Tage waren wir auf dem „On-Arrival-Training“, dem ersten Seminar, das man als EVS-Freiwilliger im Gastland hat. Leider war das Seminar in der Jugendherberge in Almada, also keine große Reise für uns. Inhaltlich gab es wenig Neues, man sprach über die Erfahrungen in den einzelnen Projekten, ein wenig über Geschichte (zu wenig!) und Traditionen. Es gab Ausflüge nach Lissabon und für uns weitaus interessanter: in ländlichere Gebiete, die mit Natur und alten Gemäuern eine angenehme Abwechslung zum doch sehr städtisch grauen Almada darstellen. Wir haben viel Praktisches getan, portugiesische Tänze gelernt, Käse hergestellt, an einer Weinprobe teilgenommen und unzählige Spiele und Szenen gespielt. Nicht zuletzt dadurch haben wir eine wirkliche Gemeinschaft gebildet, fast alles mit der ganzen Gruppe gemacht, sei es Bairro Alto, nächtliche Gruppenspiele oder gemütliches Beisammensein in unserem Appartement (ist übrigens wärmer wenn man zu siebzehnt ist). Es war spannend sich mit Freiwilligen aus anderen Ländern auszutauschen, eben nicht nur über die Arbeit sondern über alles Mögliche; freie Zeit dafür hatten wir genug. Wir haben (hoffentlich bleibende) Kontakte geknüpft und uns allen versprochen uns gegenseitig zu besuchen. Da wir besagte Dokumentation machen, bekommen wir die Reisekosten erstattet und werden wirklich durch Portugal reisen!
In einer Stunde geht es für mich zurück in den normalen Arbeitsalltag.

Ich mache mal einen Punkt.
Neue Bilder folgen in Kürze.

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