Zurück an der Arbeit

Heute war ich den zweiten Tag seit Anfang Dezember wieder in dem Jugendzentrum, das eigentlich dauerhaft meinen Arbeitsplatz darstellen sollte. Die Probleme im Jugendraum haben sich etwas gelegt, die Störenfriede haben Dank meinem etwas übereifrigen Frisör und meinem dann doch mittlerweile etwas besseren Portugiesisch mehr Respekt vor mir; man kann mit Ihnen reden, auch wenn die Gesprächsthemen vulgär und die Stimmung nach wie vor angespannt sind. Ich bin froh, endlich wieder mit Menschen zu arbeiten. Zum einen ist es in dem anderen Jugendzentrum, in dem ich meinen letzten Monat verbracht habe, furchtbar kalt, zum anderen ist das Arbeiten am Computer nicht das, wozu ich hierher gekommen bin und nicht zuletzt laufen ohne Anwendung auch alle Portugiesisch-Lernbemühungen ins Leere.

Gestern hatten wir unsere Präsentation zur Bewerbung von EVS in einer örtlichen Schule. Alles ist – trotz typisch portugiesischer mittelmäßiger Vorbereitung – ausgezeichnet gelaufen. Das Interesse war überwältigend und wir haben begründete Hoffnung, dass unser Centro ich nächster Zeit auch endlich selbst Freiwillige ins Ausland entsenden wird, anstatt immer nur Aufnahmeorganisation zu sein. So hat es sich nun doch gelohnt, dass ich die vergangene Zeit zum Erstellen von Werbematerial nutzen konnte.

Des Weiteren haben wir angefangen, ernsthaft an unserer EVS Dokumentation zu arbeiten und ein anderes On-Arrival-Seminar besucht, um statistisches Material über EVS in Portugal zu sammeln. Nun kennen wir weitere Freiwillige und werden nächsten Monat aller Wahrscheinlichkeit nach damit beginnen, filmend und fragend durch Portugal zu reisen.

Hinter mir liegen außerdem ein Heiligabend mit Sonnenuntergang am Strand, eine Silvesterfeier in unserer WG bzw. später in Lissabon mit anderen Freiwilligen aus ganz Europa, sowie regnerische Herbsttage und -abende bei Tee und Kerzenlicht; man schafft sich ja dann doch irgendwie seine winterliche Stimmung.

Im Bezirk unseres Zentrums herrscht im Moment der Außnahmezustand. Seit die portugiesische Eingriffspolizei vor rund zwei Wochen mit massivem Aufgebot (angeblich unter Abgabe von Warnschüssen) die meisten dealenden Jugendlichen von der Straße ins Gefängnis befördert hat, ist die Stimmung nachhaltig gestört. Das geschäftige Treiben auf den Straßen ist abschreckenden Polizeipatrouillen gewichen; so schreiten grimmig blickende Eingreiftrupps mit kugelsicheren Westen, Pistolen und Schlagstöcken durch die Straßen, unterstützt von gepanzerten Vans. Wer nicht im Gefängnis ist, ist auf Seitenwege ausgewichen und geht dort seinen Geschäften nach.
Wir genießen nach wie vor unseren Kaffee in der Sonne vor unserem Stamm-Café, sehen aus wie glückliche Touristen und vervollständigen den bizarren Gesamteindruck.
Es ist befremdlich, dass das Zentrum Schwierigkeiten hat, für seine wichtige präventive Arbeit finanzielle Mittel zu erhalten, für den polizeilichen Umgang mit den Folgen ungenügender sozialer Betreuung, jedoch scheinbar genügend Geld vorhanden ist.

3 Reaktionen zu “Zurück an der Arbeit”


  1. Scheint ja wirklich kein unbeschriebenes Pflaster dort zu sein. Hoffentlich wandelt sich das KLima dort nicht zu Pariser Zuständen.
    Viel Spaß noch, hört sich ja echt spannend an!

  2. dom

    moin arno…

    hab deine einträge immer mal gelesen bin aber nicht so wirklich dazu gekommen dir was zu schreiben.
    ist schon ziemlich krass was da alles so passiert…
    ich wünsch dir noch ne schöne zeit…
    gruß dom

  3. Anne

    Olá senhor,
    espero que está tudo bem com vocês. Meu deus, que acontece no Monte… A policia, …, nao quero acreditar. Desejo vocês todos o melhor. Manda beijinhos para Lina, Joao Paulo, Dona Elisa, Zé e quem você quiser.
    Fica bem, Anne

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